Nach 32 Jahren geht Krankenhausseelsorger Josef Gerl (r.) in den Ruhestand. Ihm folgt Adi Ortmeier (Mitte), hier mit Klinikums-Werkleiter Dr. Holger Otto, nach. Foto: Klinikum
Über drei Jahrzehnte war er als katholischer Seelsorger am Klinikum Passau tätig, hat in dieser Zeit tausende Patienten und Mitarbeiter begleitet, schwere und auch wunderschöne Momente erlebt. Nun geht Josef Gerl in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Nachfolger steht schon bereit: Pfarrer Adi Ortmeier wird seit Mitte September eingearbeitet und bildet künftige zusammen mit Barbara Stadlberger das Team der katholischen Klinikseelsorge.
Als Klinikseelsorger, so betont Josef Gerl mit Blick auf die schönen Seiten seiner Arbeit, habe ihn stets das „gute und wertschätzende Miteinander der vielen Menschen, die hier arbeiten, erfreut – darum bin ich immer gerne zur Arbeit gekommen“. Wenn er ins Klinikum kam, das erste freundliche „Grüß Gott“ des Tages hörte, „dann legte sich innerlich ein Schalter um“, erzählt er. Von Herzen gefreut habe er sich auch, „wenn ich manchmal im Nachhinein erfahre, dass es einem kranken Menschen oder seinen Angehörigen gutgetan hat, wenn ich bei ihm war“.
Erinnern kann Josef Gerl sich an viele Patienten, an viele Schicksale. Etwa an eine Frau mit Leukämie, die er in seinen Anfangsjahren am Klinikum kennenlernte. „Sie hatte nach qualvollen langen Monaten überlebt. Sie war für mich ein Geländer, ein Halt, wenn ich zu schwerkranken Menschen gegangen bin – ein Beweis, dass man solche Krankheiten auch überleben kann“, so Josef Gerl. Er wisse zwar, dass das keine Gewissheit für andere Patienten sei, „aber innerlich hat mir das eine gewisse Festigkeit gegeben“.
„Ich erinnere mich an einzelne Patienten, die mich geprägt haben, mein Leben, meinen Glaube, die mich gelehrt haben, worauf es im Leben ankommt, Zufriedenheit und Hoffnung“, sagt der scheidende Klinikseelsorger. „Gleichzeitig stelle ich mir immer wieder die Frage im Angesicht eines Patienten oder einer Patientin: Wie würde ich das aushalten können? Wie wäre es da mit meinem Glauben“, beschreibt er Fragen und Zweifel, die bei seiner seelsorgerischen Tätigkeit über all die Jahre immer wieder aufkamen.
Mit Dankbarkeit verabschiedet er sich auch von den Mitarbeitern des Klinikums, die sich ganz auf das Wohlergehen der Patienten fokussierten. Neben den Pflegenden und Ärzten denkt er auch an den Hausdienst, Patientenfahrdienst, Praktikanten – „sie alle sind Zuarbeiterinnen und Zuarbeiter der Seelsorge“. Auch ihnen versuchte er zur Seite zu stehen, in ihren Sorgen ernst zu nehmen und soweit möglich auch zu helfen. „Manchmal hat schon der Raum gereicht, den wir von der Seelsorge den Problemen, dem Anliegen des anderen gewährten“, weiß Gerl.
Josef Gerl hat eine fundierte klinische Seelsorgeausbildung durchlaufen mit viel Selbsterfahrungen, mit Supervision. Das habe ihm sehr viel gebracht für den strukturierten Blick, hier im Klinikum und auch in meiner Kirche, „zwei völlig verschiedenen Welten“, wie er sagt. „Meine Kollegin und ich leben und arbeiten in einem säkularen Raum hier im Klinikum, und das Spannende ist, dass hier, außerhalb kirchlicher Strukturen, die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach den Glauben, nach Antworten häufig gestellt wird in aller Freiheit, ohne Angst, durch die Fragen als ungläubig bezeichnet zu werden“, erklärt er.
Dass er trotz vieler trauriger Schicksale eine gewisse Leichtigkeit nicht verloren hat, wird schnell klar, wenn man mit Gerl ins Gespräch kommt. „Die Heiterkeit oder Lebensfreude ist gewachsen im Umgang mit kranken Menschen, in der Relativierung des Eigenen“, sagt der Pfarrer. In den Begegnungen mit den Patienten am Klinikum sei in ihm „ein Gefühl von Dankbarkeit erwachsen über das, was mir geschenkt ist“. Er esse gern bodenständig gut, reise gerne, auch weit weg, wie etwa nach Myanmar oder Namibia. „Ich lasse mich von den Menschen in fremden Ländern hinterfragen und von den Menschen hier im Klinikum“, sagt Gerl.
„Krankenhauspfarrer am Klinikum Passau ist mir zur Berufung geworden im Laufe der vielen Jahre, hat mich zu einem zufriedenen Menschen mit Hoffnung gemacht“, zieht Gerl ein positives Fazit. Wie er seinen Ruhestand gestalten wird, darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht. „Ich sage immer, ich werde erstmal ein halbes Jahr schlafen und meine damit, dass ich nichts Regelmäßiges an Aufgaben annehmen werde“, sagt er. Er finde es spannend, etwas Neues zu erleben, „und ich freue mich, aus der Verantwortung heraus zu kommen, aus der Taktung, ohne Handy einkaufen gehen zu können, ohne ständige Bereitschaft, und auch ein bisschen in den Tag hineinleben zu können“, gesteht er.
Dass seine Nachfolge mit Pfarrer Adi Ortmeier geregelt ist, freut Josef Gerl. „Er ist ein Seelsorger, der die Menschen ernst nimmt und der die Menschen mag“, so Gerl. „Seine Art und Weise macht es mir leichter, aus dem Klinikum zu gehen, weil die Seelsorge bei ihm und meiner Kollegin Barbara Stadlberger in guten Händen bleibt.“