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"Jedes Herz ist anders"

Herztag am Klinikum: Wie der Infarkt vermieden werden kann - und wie heute operiert wird

Die Experten rund um Herzgesundheit: (v.l.) Prof. Dr. Parwis Massoudy, Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie, diente Privatdozent Dr. Martin Arnold, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin, Frank Stelling, Regionalbeauftragter der Deutschen Herzstiftung, und Dr. Robert Balan, Leitender Oberarzt für minimalinvasive Herzchirurgie. Die Vortragenden nahmen sich viel Zeit für Fragen aus dem Publikum. Foto: Klinikum 

Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, ist binnen weniger Jahrzehnte stark gesunken. Trotzdem ist es oberstes Ziel, ihn zu vermeiden: Wie Herz und Gefäße möglichst gesund bleiben und wie heutige OP-Techniken individuell am einzelnen Patienten ausgerichtet werden, waren die Themen des Herztags, den die Kliniken für Kardiologie und Herzchirurgie am Klinikum Passau mit Unterstützung der Deutschen Herzstiftung ausgerichtet haben.

Die fiktive Seniorin Erika, 72 Jahre alt, diente Privatdozent Dr. Martin Arnold, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin, in seinem Vortrag als anschauliches Beispiel: Die rüstige Frau spürt abends auf dem Sofa ein Brennen im Brustkorb, ihr ist übel, dazu kommen Kieferschmerzen, Luftnot und Schweiß auf der Stirn. Der Ehemann ruft die 112 – gut so, denn der Notarzt erkennt noch zuhause auf dem EKG den Infarkt und die Behandlung in einem Krankenhaus mit Herzkatheterlabor, wie etwa in Passau, beginnt rechtzeitig, idealerweise binnen 90 Minuten. „Unter dem Herzinfarkt verstehen wir eine Verlegung des Blutflusses in den Herzkranzgefäßen. Die Durchblutung wird dadurch unmöglich und der Muskel dahinter droht abzusterben“, erklärte der Chefarzt. Im Herzkatheterlabor werden mit dem Ziel, das Gefäß wieder aufzubekommen, etwa sogenannte Stents gelegt. Danach geht es den Patienten direkt deutlich besser – „das ist jedes Mal wie ein kleines Wunder“, berichtete Arnold. 

Doch wo ein Infarkt passiert, drohen auch weitere Probleme im Körper, die durch Gefäßverkalkung entstehen: etwa Schlaganfälle oder Nierenversagen. Das A und O sei es also, den Lebensstil anzupassen, was Arnold anschaulich erklärte: Rauchstopp, ein Blutdruck unter 130/90, ein gut eingestellter Blutzucker und Cholesterin auf Normalniveau, wenn nötig unterstützt durch Medikamente. Zur Gewichtsreduktion, vor allem am Bauch, eigne sich abwechslungsreiche Mittelmeerkost und Bewegung. Ebenfalls wichtig für Herzpatienten seien Impfungen, etwa gegen Grippe oder Pneumokokken: Es sei erweisen, dass diese Erkrankungen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nochmals erhöhen.

Gefährliche Warnzeichen für den Infarkt seien brennende Schmerzen im Brustkorb, die länger als fünf Minuten dauern, flächenhaft spürbar sind und Angst machen. In dem Fall, so der Experte, sollte niemand zögern, den Notruf zu wählen.

Einen tiefen Einblick ins Thema Herz-OPs gab anschließend Dr. Robert Balan, Leitender Oberarzt für minimalinvasive Herzchirurgie am Klinikum. Die Koronare Herzkrankheit, also die Verkalkung der Herzkranzgefäße, könne ein oder mehrere zentrale Gefäße im Herz betreffen. Bypass-Operationen können, so Balan, Symptome beheben, Infarkte verhindern und damit Leben verlängern. „Bypässe sind eine Art Umleitung: Wir setzen Gefäße etwa aus dem Bein oder Arm ein, um verstopfte Stellen zu umgehen“, erklärte der Herzchirurg. Heute stünden drei Arten des Operierens zur Verfügung: konventionell mit Öffnung des Brustbeins, minimalinvasiv mit einem wesentlich kleineren Schnitt an der Seite des Brustkorbs oder unterstützt von einem Roboter unter vollständiger Kontrolle des Chirurgen. Auch am Klinikum Passau, das ab 2027 zu den Standorten der praktischen Medizinerausbildung im Rahmen des MedizinCampus Niederbayern gehört, ist die Einführung von Angeboten roboterassistierter Operationen geplant. Bei der Frage, was jeweils zum Einsatz kommt, sei aber die individuelle Situation des Patienten entscheidend, so Dr. Balan: „Jedes Herz ist anders.“ 

Neben Prof. Dr. Parwis Massoudy, Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie, begrüßte als Vertreter der Deutschen Herzstiftung Frank Stelling die Zuhörer: Die Stiftung mit über 100.000 Mitgliedern habe sich zum Ziel gesetzt, dass niemand mehr wegen einer Herzerkrankung vorzeitig sterben muss und arbeitet als Verein unabhängig für die Belange von Herzpatienten.