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Klinikum für Adipositas-Projekt ausgewählt

"ACHT" startet bayernweit im Juli - Nachsorgeprogramm soll Lebensqualität Betroffener verbessern

Über die Teilnahme am Projekt „ACHT“ freut sich das gesamteTeam des Stoffwechselzentrums am Klinikum Passau. (Foto: Zanner/Klinikum Passau)

Jeder Vierte Erwachsene in Deutschland ist adipös, spricht fettleibig. Die Tendenz steigt. Adipositas kann zu den unterschiedlichsten Begleit- und Folgeerkrankungen wie Diabetes, Fettleber oder Arteriosklerose führen. In manchen Fällen hilft den Betroffenen nur noch eine Operation, doch in der Nachsorge kann die Versorgung der Betroffenen noch verbessert werden. Um dies zu erreichen startet die Deutsche Stiftung für Chronisch Kranke im Juli bayernweit das Projekt ACHT („Adipositas Care and Health Therapy“). In Südostbayern nimmt das Stoffwechselzentrum des Klinikums Passau unter Leitung der Ärzte Dr. Klaus Gerauer (Chirurg), Peter Weigl (Diabetologe) und Dr. Josef Leebmann (Internist) an dieser Studie teil.

Die Folgen von krankhaftem Übergewicht betreffen oft mehrere Organsysteme gleichzeitig, so dass eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Therapie unter Einbeziehung verschiedener Spezialisten notwendig ist. Dies wird am Stoffwechselzentrum Passau gelebt, da hier verschiedene Fachrichtungen an einem Strang ziehen, um die bestmögliche Behandlung für die Betroffenen zu erzielen: Es sind spezialisierte Internisten wie Diabetologen, Lipidologen und Endokrinologen, Ernährungswissenschaftler und Chirurgen.

Ist eine Gewichtsabnahme auf klassischem Weg nicht möglich, führt das Team um Dr. Klaus Gerauer sogenannte bariatrische und metabolische Operationen durch, bei denen Patienten zum Beispiel einen Magenbypass oder einen Schlauchmagen erhalten. Der Bedarf steigt, sagt Gerauer, zumal es inzwischen anerkannter wissenschaftlicher Standard ist, dass beim Typ 2 Diabetes und gleichzeitigem Vorliegen einer schweren Adipositas, die Operation allen anderen Therapieverfahren deutlich überlegen ist. Nach dem Eingriff brauchen die Patienten jedoch eine engmaschige und dauerhafte Nachsorge. Doch das ist ein wunder Punkt, denn die ambulante Nachsorge ist gegenwärtig außerhalb der etablierten Zentren nicht ausreichend etabliert.

Das Projekt ACHT biete nun die Chance, die Adipositas-Nachsorge auf breitere Füße zu stellen, beschreibt Dr. Josef Leebmann das Hauptziel des Projekts. Dazu ist eine enge Vernetzung des stationären und ambulanten Sektors nötig. „Ziel ist es, Patienten, die nach der Operation problemlos klarkommen, in die Hände von niedergelassenen Fachärzten zu geben“, so Dr. Gerauer. Neben Kliniken wie München-Bogenhausen oder Nürnberg ist Passau eines von sieben bayerischen Adipositas-Zentren, die für „ACHT“ ausgewählt wurden. Die medizinische Leitung hat das Universitätsklinikum Würzburg. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei darauf, zu untersuchen, ob durch ein optimales Nachsorgeprogramm die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden kann. Am Projekt beteiligt sind zudem unter anderem die Kassenärztliche Vereinigung Bayern, die AOK Bayern sowie die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Der Gemeinsame Bundesausschuss fördert „ACHT“ über den Innovationsfonds. Das Projekt läuft bis 2022.