Die Übung beginnt – die Alarmierung hat funktioniert, die ersten Feuerwehr-Einsatzkräfte sind am Haupteingang angerückt. – Foto: Klinikum
Verrauchte Gänge, schrillende Alarmglocken und laute Hilferufe schutzbedürftiger Patienten – so könnte es aussehen, wenn es im Klinikum tatsächlich brennt. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, wurde am Samstagnachmittag trainiert: Bei einer Evakuierungsübung am Klinikum ist auf der Station 34 simuliert worden, wie Patienten schnell und sicher aus dem Gefahrenbereich evakuiert werden können. Nahezu parallel zu dieser Übung wurde in der ZNA ein sogenannter MANV, ein Massenanfall von Verletzten, nachgestellt.
„Regelmäßige Evakuierungsübungen sind für eine Klinik wie die unsere als Teil der kritischen Infrastruktur von zentraler Bedeutung“, sagt Dr. Thorsten Schiller, Teamleiter für Katastrophenschutz am Klinikum. Bei einer solchen realitätsnahen Übung werden der Brandschutz ebenso wie der Krankenhaus-Alarm und Einsatzplan des Klinikums, die Abläufe in der Einsatzleitung sowie in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) getestet. Zudem haben Feuerwehr, Rettungsdienst und die weiteren beteiligten Organisationen ebenso wie die Behörden und städtischen Stellen die Möglichkeit, für den Ernstfall zu trainieren, Reaktionszeiten ebenso wie Schnittstellen und Koordination zu verbessern. Geplant und durchgeführt wurde die Großübung unter Federführung der Passauer Arbeitsgemeinschaft für Interdisziplinäre Notfallmedizin (p.a.i.N.), deren Instruktoren die Abläufe genau beobachteten, um sie im Nachgang auswerten zu können. So sollen Schwachstellen identifiziert und Abläufe bei Bedarf angepasst und optimiert werden.
Rund 280 Personen von Feuerwehr und anderen Rettungsdiensten nahmen an der Großübung teil. Die beteiligten Organisationen neben p.a.i.N. am Samstag: die Integrierte Leitstelle (ILS) Passau, BRK samt Betreuung, Katastrophenschutz, Malteser Hilfsdienst sowie Rettungsdienst Manuel Stadler. Die Feuerwehr war mit der Freiwilligen Feuerwehr Passau und hier den drei Löschzügen Hauptwache, Ilzstadt und Innstadt, sowie der Feuerwehr Heining, der Feuerwehr Gaißa, der Feuerwehr Neukirchen a. Inn, mit der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung sowie Örtlichen Einsatzleitern und der Tagwache beim Einsatz vertreten (insgesamt 135 Kräfte).
Das Szenario am Tag der Übung: Am Samstag gegen 16 Uhr wurde der Feueralarm ausgelöst und die Integrierte Leitstelle (ILS) Passau verständigt. Simuliert wurde ein Brand mit starker Rauchentwicklung auf Station 34. In Wirklichkeit steht diese Station nach dem Umzug ins neue Bettenhaus aktuell leer – für die Katastrophenschutzübung hat man sie wieder zum Leben erweckt. Rund 60 Personen – Patienten, Personal, Besucher – befanden sich beim Aktivieren des Feueralarms auf der Station. Die Patienten wurden von Schülern der Berufsfachschule für Pflege, von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren und von Mitgliedern der realistischen Unfalldarstellung (RUD) der Malteser dargestellt. Atemschutzträger der Feuerwehr rückten an, die Station wurde evakuiert, auch eine Drehleiter kam im Außenbereich zum Einsatz. Die evakuierten Personen wurden in den nächsten Brandschutzabschnitt bzw. von den Rettungsdiensten über die gesperrte Innstraße ins gegenüberliegende Adalbert-Stifter-Gymnasium gebracht und behandelt.
Insbesondere für die RUD-Darsteller war damit ihr Einsatz noch nicht beendet: Einige von ihnen fungierten gleich nach ihrer Evakuierung noch als Protagonisten beim simulierten Massenanfall von Verletzten, den es für die ZNA zu bewältigen galt. Schon am Vormittag waren die Malteser geschminkt worden. Sie werden als Mimen eingesetzt, um die möglichen Verletzungszustände und das wahrscheinliche Verhalten von Verletzten möglichst wirklichkeitsgetreu nachzuahmen. Für die Mitarbeiter der ZNA galt es nun, den Ansturm zu bewältigen. Per Triage wurde die medizinische Dringlichkeit der Patienten eingestuft, um sicherzustellen, dass die am schwersten Verletzten zuerst und umgehend behandelt werden, unabhängig von ihrem Ankunftszeitpunkt.
Kurz nach 18 Uhr entschärfte sich die Lage, waren nahezu alle Patienten versorgt. Als kleines Dankeschön gab es für alle Mitwirkenden im Anschluss an die Übung eine gemeinsame Stärkung im Hörsaal sowie in der Landwirtschaftsschule.
Dort dankte Werkleiter Dr. Holger Otto für den tollen Einsatz: „Eine derartige Großübung hat es in der Geschichte des Klinikums lange nicht gegeben. Die Vorbereitung sowie das Engagement der Beteiligten, die zum Gelingen dieser Übung beigetragen haben, waren herausragend.“ Er betonte zudem: „In der Nachbereitung wird es viele Erkenntnisse geben. Gleichzeitig hoffen alle, dass wir so einen Ernstfall nie erleben werden.“
„Solche Gelegenheiten wie diese sind rar gesät und man ist daher gut beraten, sie zu ergreifen“, sagte Dr. Christian Flora, Vorsitzender von p.a.i.N. und Leitender Notarzt am Klinikum Passau, der die Großübung federführend organisiert hatte. „Es ist wichtig, nicht nur immer unter sich zu bleiben, sondern das Ganze breiter aufzustellen und alles abzubilden, was in einem solchen Fall tatsächlich aufgefahren werden würde: Sei es von der Leitstelle über die Feuerwehren über die entsprechenden Einsatzleitungen, Rettungsdienst bis hin zum Krankenhaus selber, von der Station bis zur Krankenhaus-Einsatzleitung. Ich denke, es ist uns heute gelungen, so gut wie alle Schnittstellen abzubilden und zu bespielen. Viele Sachen sind super gelaufen, bei ein paar Dingen herrscht Verbesserungsbedarf.“ Nun geht es an die Auswertung: „Es wird uns jetzt viel Zeit und Mühe kosten, das aufzuarbeiten, was wir heute beobachtet haben. Wir werden im neuen Jahr das Gespräch mit den Beteiligten suchen. Dann hoffen wir, dass wir alle daraus für den Ernstfall etwas mitnehmen können“, so Flora.