Dr. Julia Lanznaster klärte über Infekte während der Tumortherapie auf. Foto: Klinikum
Ernährung, Sozialrecht, Psyche, Immunsystem und gesunde Lebensgewohnheiten – Stichwort Rauchentwöhnung: Krebs betrifft viele Lebensbereiche über die reine Tumortherapie hinaus. Um diese Themen drehten sich die Vorträge bei der zehnten Ausgabe des Krebsinformationstags am Klinikum. Im Anschluss daran hatten die Gäste erstmals die Möglichkeit, mit Expertinnen und Experten aus den onkologischen Fachbereichen eins zu eins ins Gespräch zu kommen.
Das Onkologische Zentrum Passau unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Südhoff gliedert sich in verschiedene spezialisierte Krebszentren auf, von denen zwei jüngst Zertifizierungen abgeschlossen haben, wie von Prof. Dr. Helmut Grimm bei der Begrüßung berichtete: Das Darmkrebszentrum wurde rezertifiziert, das Pankreaszentrum erhielt das Zertifikat erstmals. Aus Patientensicht bringt die Behandlung in einem Krebszentrum Vorteile durch Erfahrung und interdisziplinären Austausch mit sich.
Rauchentwöhnung
Als Leitender Arzt für Pneumologie sprach Dr. Johannes Gebauer über Möglichkeiten ärztlicher Unterstützung bei der Rauchentwöhnung: die Vorteile des Aufhörens klarzustellen und Hilfe, etwa durch spezielle Kurse oder Apps, anzubieten. Während der Anteil der Raucherinnen und Raucher in Deutschland aktuellen Zahlen zufolge auf knapp 19 Prozent zurückgegangen sei, sind E-Zigaretten auf dem Vormarsch. Gebauer stellte klar, dass das Suchtpotenzial der „Vapes“ womöglich noch höher liege. Das Plasma-Level, also das Nikotin, das Patienten durch sie aufnehmen, liege über jenem bei herkömmlichen Zigaretten. Werden E- und Tabakzigaretten abwechselnd konsumiert, seien Risiken für Schlaganfall, COPD und Asthma nochmals höher.
Ernährung
„Eine Krebsdiät gibt es nicht“, lautete die klare Botschaft der Ernährungswissenschaftlerinnen Rita Kler und Birgit Dürholz. Auch ein immer wieder propagierter Verzicht auf Zucker bringe nachweislich keine Vorteile. Möglich seien aber natürlich Einschränkungen durch die Therapie und ihre Nebenwirkungen. Das wichtigste Ziel rund ums Essen bei Krebs müsse also sein, Mangelernährung und Untergewicht zu vermeiden. Da Tumorpatienten einen erhöhten Eiweißbedarf haben, sollten möglichst bei jeder Mahlzeit Proteinquellen dabei sein. Wenn es trotz abwechslungsreicher Mischkost problematisch ist, genug zu essen, könnten energiedichte Ergänzungen helfen.
Sozialer Dienst
Der soziale Dienst am Klinikum ist für stationäre Patienten vornehmlich in den Krebszentren zuständig, wie Susanne Nigl erklärte. Niederschwellig und in allen Phasen von Krebserkrankungen werden Patienten persönlich, aber auch telefonisch und per Mail beraten. Typische Themen, bei denen unterstützt wird, seien Krankengeld, Rehabilitation und der Antrag auf Schwerbehinderung.
Psychoonkologie
Der psychoonkologische Dienst am Klinikum steht für Patienten zum Gespräch bereit. Psychoonkologie habe mit psychischer Erkrankung nichts zu tun, stellte Corinna Liebich klar: „Wir begleiten hauptsächlich psychisch gesunde Menschen, die sich durch den Krebs in einer schwierigen Lebenssituation befinden.“ Anders als „draußen“ sei es innerhalb des Klinikums ganz einfach, an psychologische Unterstützung zu kommen. Gewünscht seien oft auch praktische Tipps etwa zur Frage, wie man Kindern eine Krebsdiagnose erklären kann.
Schutz vor Infekten
Als Ersatz für den Vortrag zu Sport und Bewegung, der wegen Erkrankung der Referentin ausfallen musste, sprach Dr. Julia Lanznaster, Zentrumskoordinatorin des Onkologischen Zentrums, über Infekte während der Krebstherapie. Das Verhältnis von nützlichen und schädlichen Bakterien im Körper könne etwa durch Chemotherapie empfindlich gestört werden, was etwa zu Darmproblemen führen kann. Infekte könnten auch Therapien verzögern oder möglicherweise schwerer verlaufen. Ein besonders großes Problem seien Antibiotika-Resistenzen oder multiresistente Keime. Ihr Rat: Infektionen durch persönliche Schutzmaßnahmen möglichst vermeiden, Impfungen wahrnehmen und bei Fieber während der Chemo immer zügig ärztlichen Rat einholen.