„Wir gegen Delir“ war das Motto eines Aktionstags im Klinikum. Foto: Klinikum
Eine eigentlich fitte Person weiß plötzlich nicht mehr, wo sie ist, reagiert aufbrausend, hört Geräusche, die nicht da sind, verweigert Essen und Trinken – und das scheinbar aus heiterem Himmel: Ein Delir, sprich ein plötzlich einsetzender Verwirrtheitszustand, betrifft viele Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden. Der Zustand kann schwerwiegende Folgen haben. Deswegen ist frühes Erkennen und ein sinnvoller Umgang damit so wichtig. Am Klinikum hat beim „Aktionstag gegen Delir“ ein Team um Altersmedizinerin Dr. Simone Hahn und Expertinnen und Experten aus der Pflege Aufmerksamkeit dafür geschaffen.
Jeder fünfte Patient über 70, bis zu 60 Prozent der Patienten nach einer OP und ein noch höherer Anteil auf Intensivstationen oder in der terminalen Krankheitsphase leiden an dieser plötzlichen Verwirrtheit, erklärte Dr. Hahn bei Vorträgen, die auf großes Interesse der Belegschaft stießen. Die Ursachen des Syndroms können vielfältig sein. „Ein Delir hat schwerwiegende Folgen bis hin zum steigenden Sterberisiko“, erklärte sie, aber oft könne es verhindert werden: Kleine Maßnahmen, wie dem Patienten immer wieder die Chance auf Mobilisation oder Essensaufnahme zu geben, auch wenn dies zunächst verweigert wurde, Zuwendung mit geistigen Ankerpunkten wie Zeit und Ort zu geben, wirke sich positiv aus. Medikamente gegen das Delir, so die Expertin, zeigten wiederum keine nachgewiesene Wirkung gegen die Verwirrtheit. „Wir Ärzte sind bei diesen Patienten gefragt, zügig nach der Ursache zu suchen“, machte sie deutlich: „Das Delir geht uns alle an.“ Mit den praxisnahen Informationen, die zum Aktionstag entstanden sind, sollen auch Unsicherheiten bei Angehörigen abgebaut werden.
Weil es so wichtig ist, hinzuschauen, war das Team im ganzen Klinikum auf den Stationen unterwegs. Bei dem Rundgang entstand ein Banner, das von den Stationskräften unterschrieben wurde. Alles im Sinne von mehr Bewusstsein für das Thema: „Nur gemeinsam können wir hier noch besser werden“, so Dr. Hahn. Der Aktionstag lehnte sich an den Welt-Delir-Tag am 11. März an.