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Weltnierentag: Nierenkrankheiten oft zu lange unbemerkt

Weltnierentag: Nierenkrankheiten oft zu lange unbemerkt

Rund 6500 Hämodialysen finden jedes Jahr im Klinikum statt. Nephrologen wie Dr. Bernhard Böll behandeln Patienten aus der ganzen Region. – Foto: Klinikum 

In Deutschland leben schätzungsweise 8 bis 10 Millionen Menschen mit einer chronischen Nierenkrankheit, weltweit ist jeder Zehnte betroffen. Das Tückische: Die Nieren können bis zu 90 Prozent ihrer Funktion verlieren, bevor überhaupt erste Symptome wie Wassereinlagerungen oder deutlich geringere Urinmenge auftreten. Was man tun kann, um die Filterorgane gesund zu halten, und wie nierenkranke Patienten am Klinikum behandelt werden, erklärt Dr. Bernhard Böll, Oberarzt im Bereich Nephrologie, zum heutigen Weltnierentag.

Nephrologen – „nephros“ ist das altgriechische Wort für Niere – sind als niedergelassene Ärzte oder an Krankenhäusern tätig. „Am Klinikum behandeln wir vor allem schwere Nierenschädigungen und Erkrankungen, die damit zusammenhängen“, erklärt Dr. Böll. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Diabetes führen zu Gefäßveränderungen: „Da die Nieren gut durchblutet sind, wird ihre Leistung dadurch direkt beeinflusst und Schädigungen drohen.“ Oft würde diese Nierenprobleme erst dann erkannt, wenn die Patienten – oft sind Ältere betroffen – wegen anderer Diagnosen stationär im Krankenhaus sind. Die Nierenspezialisten des Klinikums sind im Rahmen von Konsilen interdisziplinär im Einsatz, um bei diesen Patienten eine Nierenerkrankung möglichst gut zu behandeln, bevor die Nachsorge ambulant weitergeht.

Sind die Nieren zu schwer geschädigt, braucht es die Dialyse. Sie ersetzt teilweise die Funktion der Nieren. Rund 6500 Hämodialysen, umgangssprachlich Blutwäschen, wurden 2025 im Klinikum durchgeführt, dazu weitere Sonderverfahren und Dialysen auf der Intensivstation. Dialysepatienten kommen für die mehrstündige Prozedur drei Mal wöchentlich aus einem Einzugsgebiet von bis zu 50 Kilometern ins Haus. „Man muss keine Angst vor der Dialyse haben“, erklärt Dr. Böll. „Trotzdem ist es wichtig, sie als Endpunkt der Therapie möglichst lange zu vermeiden.“

Was also kann jeder selbst für gesunde Nieren tun? Sinnvoll sei, die Salzmenge beim Essen zu reduzieren und natürlich Übergewicht zu vermeiden sowie Bluthochdruck konsequent zu behandeln.  „Viele denken, man solle möglichst viel trinken. Dabei sind etwa zwei Liter am Tag ideal – mehr Flüssigkeit schützt keineswegs und kann in bestimmten Situationen sogar schaden“, macht der Nephrologe deutlich. Wer Nierenprobleme bei sich vermutet, ist in der hausärztlichen Praxis zunächst an der richtigen ersten Anlaufstelle. „In der gesetzlichen Krankenversicherung wird ein Screening ab 35 Jahren übernommen. Auffälligkeiten z.B. im Urin können dabei erkannt werden. Bei bestimmten Auffälligkeiten kann dann an den Spezialisten überwiesen werden“, informiert Dr. Böll.