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Adipositas-Therapie: „Jetzt haben Patienten eine Wahl“

3. Passauer Gesundheitstag zu „Abnehmspritze“, Operationen und Kinderwunsch

Prof. Dr. Philipp Lamby, Chefarzt Klinik für Plastische-, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Klinikum, Privatdozentin Dr. Tanja Ignatov, Kinderwunsch Centrum München, Dr. Klaus Erich Gerauer, Leitender Arzt Adipositaschirurgie am Klinikum, Dieter Meier, Diabetikerbund Bayern, Christian Wirtz und Michael Wirtz (hinten r.), AdipositasHilfe Deutschland e.V., (hinten v.l.), Dr. medic. Sebastian Ancusa, Viszeralchirurg am Klinikum, Matthias Steininger, Leiter Diätabteilung am Klinikum Passau, Peter Weigl, Ärztlicher Leiter MVZ am Klinikum und MVZ Diabetologie und Helmut Dendl. Selbsthilfe Schlafapnoe. Foto: Klinikum

Adipositas ist kein persönliches Versagen, sondern als chronische Erkrankung zu verstehen, die sich auf Gesundheit und Lebensqualität vielfältig auswirkt: Auf dieser Grundlage haben sich Expertinnen und Experten beim 3. Passauer Gesundheitstag des Adipositaszentrums am Klinikum mit Medikamenten wie der „Abnehmspritze“, Operationsmöglichkeiten, aber auch dem Thema Kinderwunsch auseinandergesetzt. Der Tag stieß auf reges Interesse von niedergelassenen Ärzten und Betroffenen. 

Von Adipositas, also einem stark erhöhten Körperfettanteil, spricht man ab einem Body Mass Index (BMI) von 30. Bei einem 1,80 Meter großen Mann beginnt dieser ab etwa 100 Kilogramm Körpergewicht. „Adipositas ist nicht allein durch mehr Sport und weniger Essen heilbar“, räumte Dr. Klaus Erich Gerauer, Leitender Arzt der Passauer Adipositaschirurgie, mit einer gängigen Vorstellung auf. Die Krankheit verkürze nachgewiesenermaßen das Leben. Die moderne Adipositas-Behandlung umfasst neben Lebensstiländerung Medikamente bzw. bariatrische Operationen wie Schlauchmagen oder Magenbypass. Was davon ist besser? Hier gebe es keine pauschale Antwort: Noch zeigten die Daten, dass OPs bei der Höhe des Gewichtsverlusts, der Reduktion der Risiken durch Fettleibigkeit und auch bei der Wirkung auf die Psyche den „Abnehmspritzen“ überlegen sind. Deren Langzeit-Bilanzen flössen aber jetzt erst nach und nach in Studien ein und sie erreichten ebenso beachtliche Abnahmen: Bis zu 27 Prozent weniger Körpergewicht seien möglich. Auch als Vorbereitung für eine OP seien die Präparate mitunter sinnvoll. Problematisch bleiben laut dem Spezialisten die Kosten. Dr. Gerauers Fazit: „Die Medikamente sind eine willkommene Ergänzung. Jetzt haben Patienten eine Wahl, die es vor fünf Jahren nicht gab.“ 

Wie die Zukunft der medikamentösen Adipositas- und Diabetestherapie aussehen wird, zeigte Peter Weigl, Ärztlicher Leiter des MVZ am Klinikum Passau und Leiter des MVZ Diabetologie auf. Während das erste Inkretinpräparat – worunter die „Abnehmspritzen“ fallen – 2006 zugelassen wurde, werde in Kürze die Markteinführung von Alternativen in Tablettenform erwartet. „Die Studien zeigen, dass sie überzeugend wirken sowie bei Sicherheit und Verträglichkeit mit den Spritzen vergleichbar sind“, so Weigl, bei erwartbar niedrigeren Kosten und leichterer Handhabung. Im Fokus der Forschung stünde jetzt, wie nach Therapieende der Jojo-Effekt und der Verlust von Muskelmasse vermieden werden können.

Zum Thema Kinderwunsch und Adipositas sprach die renommierte Expertin Privatdozentin Dr. Tanja Ignatov vom Kinderwunsch Centrum München. „Betroffene haben mit Angst und Schuldgefühlen zu kämpfen“, erklärte sie: „Die Medizin trägt hier die Verantwortung, sensibel, aber basierend auf Tatsachen zu helfen.“ Tatsächlich sinke durch Adipositas die Fruchtbarkeit bei Frau und Mann deutlich. Der hohe Anteil der Fettzellen wirke auf die Hormonlage und bedinge Entzündungsprozesse. Die Folgen: schlechtere Spermienqualität, schlechtere Eizellqualität und höhere Fehlgeburtsraten. Betroffenen rät sie, vor einer Kinderwunschbehandlung unbedingt die Adipositas anzugehen, ob mit Medikamenten oder operativ, sei abzuwägen. „Bei allem sollte die Gesundheit des Kindes an erster Stelle stehen“, machte Dr. Ignatov klar.

Weitere Themen des Gesundheitstags waren Adipositas als chronische Erkrankung (Dr. Josef Leebmann, Ltd. Arzt Nephrologie am Klinikum), die Schlafapnoe (Dr. medic. Sebastian Ancusa, Viszeralchirurg am Klinikum), Liposuktion beim Lipödem als Kassenleistung (Privatdozent Dr. Philipp Lamby, Chefarzt der Plastischen Chirurgie am Klinikum) und „Kochen nach der OP“ (Matthias Steininger, Leiter Diätabteilung am Klinikum). Ausführlich informierten die Selbsthilfegruppen über ihre Arbeit mit Betroffenen: Vertreten waren die Selbsthilfe Schlafapnoe, der Diabetikerbund Bayern und die AdipositasHilfe Deutschland e.V.  Zum Abschluss präsentierte Jasmin Wailzer (Assistenzärztin Chirurgie am Klinikum) das Komplikationsmanagement und die Komplikationsstatistik am Adipositaszentrum Passau.

Weitere Informationen gibt es auf https://www.adipositas-zentrum-passau.de/.