Bei der Endometriose wuchert die Schleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle, zeigt Dr. Emese Balogh, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Foto: Klinikum
Endometriose ist eine Krankheit, über die man noch vergleichsweise wenig weiß – bei schätzungsweise zwei bis vier Millionen betroffenen Frauen in Deutschland. Sie verursacht oft enorme Schmerzen, die den Alltag einschränken. Der März soll als Endometriose-Monat Aufmerksamkeit für die Volkskrankheit schaffen. Denn noch dauert es oft Jahre, bis die Diagnose gestellt wird. Am Klinikum Passau werden Patientinnen, wenn notwendig, per Bauchspiegelung schonend, aber effektiv behandelt.
„Bei der Endometriose wächst Schleimhautgewebe außerhalb der Gebärmutter“, erklärt die Gynäkologin Dr. Emese Balogh, „etwa im Bauchfell, an den Eierstöcken oder in der Muskulatur der Gebärmutterwand“. Diese Wucherungen sind gutartig, verursachen aber gerade während der Regelblutung oft starke, sehr belastende Schmerzen. „Die Ursachen sind noch unklar“, so die Fachärztin, deswegen gebe es auch noch keine kausale Therapie. Es erkranken Frauen im gebärfähigen Alter, laut Dr. Balogh sind Fälle unter 18 Jahre selten. Oft haben sie eine jahrelange Leidenszeit hinter sich, bis die Diagnose Endometriose gesichert gestellt wird.
In die gynäkologische Ambulanz des Klinikums kommen die Frauen mit einer Überweisung von Frauenärztin oder Frauenarzt. Endometriose-Verdacht bestehe dann, wenn die Schmerzintensität die Lebensqualität beeinträchtige und während der Regelblutung länger als ein bis zwei Tage sehr hoch sei. „Im ersten Schritt versuchen die niedergelassenen Ärzte oft, die Schmerzen konservativ, also ohne OP, zu behandeln. Das ist vollkommen richtig. Vielen Frauen hilft es, wenn durch die ,Pille‘ der Östrogenspiegel gedrückt wird“, erklärt Dr. Balogh. Bringt das nichts, wird eine ambulante Operation, eine sogenannte Laparoskopie, angesetzt. Bei dem minimalinvasiven Eingriff wird der Bauchraum gespiegelt und Endometriose-Herde können koaguliert, sprich mittels Hitze zerstört, oder entfernt werden. „Die OP dienst also nicht nur zur Sicherung der Diagnose, sondern auch direkt der Therapie“, so die Gynäkologin.
Leider besteht nach der OP das Risiko, dass die Herde wieder nachwachsen. Endometriose kann nicht nur starke Schmerzen auslösen, sondern auch einen eventuellen Kinderwunsch beeinflussen: Erkrankte Frauen sind überdurchschnittlich oft von Unfruchtbarkeit betroffen, so Dr. Balogh: „Das muss nicht zwingend der Fall sein – dennoch ist es gerade mit Endometriose sinnvoll, sich frühzeitig mit einem Kinderwunsch auseinanderzusetzen.“
Generell werde das Thema Endometriose bekannter, beobachtet die Expertin: „Die Frauen kommen informierter in die Sprechstunde.“ Es kursierten aber auch viele Informationen, die keine medizinische Grundlage haben: Ob die Krankheit etwa mit einer Histamintoleranz zusammenhänge, sei unklar, auch eine spezielle Diät wird in der Frauenklinik am Klinikum nicht empfohlen: Ein gesunder Lebensstil, Stressbewältigungs-Strategien und ein guter Bezug zum eigenen Körper sei der beste Weg.