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Dr. Hans Emmert sagt dem Klinikum ade

Ärztlicher Direktor und langjähriger Chefarzt der Neurologie ging zum 30. September in den Ruhestand

Als langjähriger Chefarzt der Neurologie schrieb Dr. Hans Emmert ein Stück Klinikums-Geschichte. Zuletzt war er Ärztlicher Direktor des Klinikums Passau. Foto: Schlegl/Klinikum Passau

Dr. Hans Emmert sagt dem Klinikum ade

Von Elke Zanner

 

Er war in vielerlei Hinsicht eine Größe am Klinikum Passau: Fast 18 Jahre lang war Dr. Hans Emmert Chefarzt, dann wurde er Ärztlicher Direktor. In dieser Funktion hatte er am 30. September seinen letzten Arbeitstag, denn genau einen Tag vor seinem 20-jährigen Dienstjubiläum verabschiedet sich der 68-Jährige in den Ruhestand. Mit der Gründung der Neurologie schrieb der renommierte Mediziner ein Kapitel Klinikums-Geschichte, auf das er mit Stolz zurückblicken kann. In das Ende seiner Karriere mischte sich noch die Corona-Krise. Dass das Klinikum die Pandemie gut bewältigen konnte, ist entscheidend auch sein Verdienst.

„Wenn ich nicht Arzt geworden wäre, dann vielleicht Architekt“, erzählt Hans Emmert in seinem Büro auf Ebene 7 des Klinikums. Doch letztendlich war es die Medizin, die ihn mehr faszinierte, allen voran die unglaublichen Fähigkeiten des menschlichen Gehirns, weshalb sich Emmert für die Neurologie entschied. Mit seinem Wissen und Können wurde er am Klinikum Passau ein Pionier seines Metiers, man könnte Emmert auch als Architekten der Neurologie bezeichnen. Im Jahr 2000 richtete er die Abteilung ein, zog sie fast 18 Jahre quasi hoch, ehe er sie im Februar 2018 an seinen Nachfolger Prof. Tobias Freilinger übergab. Für diese Aufbauarbeit kehrte Hans Emmert mit damals 48 Jahren dem Klinikum München-Bogenhausen den Rücken. Im Gepäck hatte er zehn Jahre Erfahrung als Oberarzt der Neurologie und ein fünfköpfiges Team. „Wir konnten frei starten und wurden im Haus sehr unterstützt“, erzählt Emmert, der den Wechsel nie bereute. Vom ersten Tag an begeisterte ihn die Atmosphäre, das gute Zusammenspiel der einzelnen Abteilungen, von Ärzten und Pflege. Vieles sei in Passau einfacher gewesen als in München, unbürokratischer und kollegialer. „Das ist bis heute so“, findet Emmert. „Auch wenn wir mittlerweile fast universitäres Spektrum haben, kennt man sich untereinander und weiß, wen man anrufen und um Rat fragen kann.“

Im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre stieg die Zahl der neurologischen Patienten am Klinikum von rund 1500 auf etwa 3000 pro Jahr. Aus anfangs zehn Betten wurden mittlerweile 49 und mit 17 Ärzten ist die Abteilung heute personell mehr als doppelt so stark. Zur Neurologie gehört auch die sogenannte „Stroke Unit“, eine Akutstation für Schlaganfall-Patienten, die Emmert besonders am Herzen lag. Denn Menschen, die einen Schlaganfall erleiden und dort rechtzeitig behandelt werden, haben die Chance, diesen Schicksalsschlag mit geringen oder gar keinen Folgeschäden zu überstehen. Emmert ist deshalb glücklich, dass den Schlaganfallpatienten des Klinikums mit einer noch jungen Methode der mechanischen Blutgerinnsel-Entfernung geholfen werden kann. Die sogenannte „Thrombektomie“ führen die Neuroradiologen des Hauses rund um die Uhr durch. Allen voran die Chefärztin der Radiologie, Dr. Wiebke Kurre, die eine ausgewiesene Expertin auf diesem Gebiet ist und mit der Emmert intensiv zusammenarbeitete.  

Im April 2018 trat Hans Emmert als Ärztlicher Direktor die Nachfolge von Prof. Dr. Jürgen Koehler an, der überraschend an die Universitätskliniken Salzburg wechselte. Aus Freude am Organisieren und aufgrund seines Insiderwissens als einer der dienstältesten Chefärzte reizte Emmert diese neue Herausforderung. „Ich weiß, wo die Ärzte der Schuh drückt“, sagt Emmert, der selbst den Großteil seines Berufslebens an vorderster Reihe in der Patientenversorgung verbrachte. „Die Ärzte vergeuden leider oft zu viel Zeit mit Dingen, die man gut auslagern kann.“ Als oberster Verantwortlicher für die rund 300 Medizinern im Haus war es ihm deshalb wichtig, die Arbeit seiner Kollegen auf deren Kerngeschäft zu konzentrieren: die Versorgung der Patienten und die Gespräche mit den Angehörigen. Darum forcierte er den Einsatz Medizinischer Fachangestellter, die administrative Arbeiten und medizinische Routineaufgaben übernehmen. „Das ist noch ausbaufähig“, sagt Emmert, doch ein Anfang ist gemacht. Auch im neuen Berufsbild des „physician assistant“ - zu Deutsch Arztassistent - sieht Emmert großes Potenzial, um Ärzte im Klinikalltag zu entlasten. Dies sind hochqualifizierte Mitarbeiter mit umfassenden Medizinkenntnissen, die delegierbare Tätigkeiten auf Anordnung selbst ausführen können. Die erste Arztassistentin am Klinikum Passau stellte Emmert kurz vor seinem Ruhestand für die Herzchirurgie ein.

Als Erbe seines Vorgängers Köhler führte Hans Emmert in den vergangenen zwei Jahren das hauseigene Stipendiaten-Programm weiter, mit dem das Klinikum Passau erfolgreich junge Ärzte aus der Region gewinnt. Mittlerweile nehmen 50 Studierende daran teil, die ersten sind bereits auf den Stationen im Einsatz. „Es sind durch die Bank motivierte Leute, die ich alle sofort einstellen würde“, freut sich Emmert über die Nachwuchs-Ärzte, die ihn fachlich wie menschlich überzeugen.

In den vergangenen 20 Jahren war der Ärztliche Direktor in jeder Hinsicht eng mit dem Klinikum verbunden und immer zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Praktischerweise wohnte er nur einen Steinwurf entfernt in der Sechzehnerstraße. Dort stehen nun gepackte Koffer, denn Emmert wird mit seiner Frau schon zum November nach München gehen, wo sein Sohn lebt und die engsten Freunde. „Ich war gerne in Passau, aber das hat sich überraschend so ergeben“, erzählt Emmert. Von der Medizin will und kann er sich noch nicht so schnell verabschieden: „Gleich auf Null herunterfahren, das geht nicht.“ Er würde gerne wieder unterrichten und ist zuversichtlich, dass sich was Passendes ergeben wird. Bis es soweit ist, weiß er sich gut zu beschäftigen. „Das Wort Langeweile kenne ich nicht“, sagt der 68-Jährige, der sich als passablen Hobby-Handwerker bezeichnet und gerade am Lichtkonzept für die neue Münchner Wohnung tüftelt. Ein schönes Zuhause ist ihm wichtig, denn: „Schon meine Mutter hat immer gesagt, dass ich ein Stubenhocker bin und da hatte sie nicht unrecht“, sagt Emmert lakonisch. Die Dame wurde übrigens 99 Jahre alt. Mit diesen Genen hat Dr. Hans Emmert beste Aussichten, den neuen Lebensabschnitt in vollen Zügen zu genießen.

Emmerts Nachfolge als Ärztliche Direktorin tritt Prof. Dr. Annegret Kuhn an. Die Humanmedizinerin und Wissenschaftlerin war zuvor am Klinikum Münster tätig.

Elke Zanner