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Experten informieren über Krebs - 300 Besucher bei den Vorträgen

Gastreferent Dr. Axel Eustachi referierte über komplementäre Therapiemöglichkeiten bei Krebs

Eine Gemeinschaft im Kampf gegen Krebs: Prof. Jürgen Koehler (v.l), Ludwig Prügl, Dr. Martin Dengler, Prof. Helmut Grimm und Initiator Prof. Thomas Südhoff sowie Monika Schober, Dipl.-Med Agnieska Nolte und Dr. Julia Lanznaster (vorne v.l.). (Foto: Zanner)

Wer die Diagnose Krebs bekommt, für den bricht erst einmal eine Welt zusammen. Monika Schober, Bereichsleiterin für Privatkunden bei der AOK, ging es vor zwei Jahren nicht anders, als sie erfuhr, dass sie an Brustkrebs erkrankt war. „Es war der totale Schock“, erzählte sie im vollen Hörsaal des Klinikums beim dritten Krebsinformationstag. „Doch nun stehe ich wieder voller Kraft da und genieße mein Leben“. Monika Schober hat die Krankheit besiegt. Behandelt wurde sie am Klinikum Passau. „Hier habe ich beste Erfahrungen gemacht“, sagte sie.

Mit ihrer Offenheit will Monika Schober anderen Krebspatienten Mut machen, denn die Krankheit ist heutzutage kein Todesurteil mehr. Etwa 65 Prozent der Frauen und rund 60 Prozent der Männer können mittlerweile geheilt werden, sagt Prof. Thomas Südhoff, Leiter des Onkologischen Zentrums am Klinikum Passau, und Initiator der Veranstaltung. Südhoff stellte Chancen und Risiken der Immuntherapie vor. Die Behandlung mit sogenannten Antikörpern, die die Tumorzellen bekämpfen, werde in den nächsten Jahren weiter stark zunehmen. „Wir gehen davon aus, dass in 10 bis 20 Jahren etwa jeder zweite Krebspatient so eine Therapie bekommen wird“, erklärte Südhoff. Ganz neu und vielversprechend sind Antikörper, die dem Immunsystem verborgene Tumorzellen wieder freischalten. Bis dato kann eine solche Immuntherapie nur gegen bestimmte Tumore eingesetzt werden: zum Beispiel bei Melanomen, Lungen-, Nieren-, Kopf- und Halstumoren oder bei Blasenkarzinomen. Die Antikörper werden alle zwei bis drei Wochen über die Vene infudiert (Dauer 60 bis 120 Minuten). Diese Behandlung werde von den Patienten meist besser vertragen als eine Chemotherapie und könne länger helfen, sagte Südhoff.

Um die Nebenwirkungen einer Krebstherapie erträglicher zu machen, wünschen sich viele Patienten komplementäre Medizin. „Komplementär“ bedeutet ergänzend und ersetzt auf keinem Fall die Schulmedizin. „Das kann Leben kosten“, warnte Dr. Axel Eustachi vom Kompetenzzentrum für komplementäre Medizin und Naturheilkunde in München. Eustachi war als Gastreferent geladen war und gab in seinem Vortrag auch eine Einschätzung zum Einsatz von Methadon und Cannabis. Beide Substanzen beurteilt er kritisch. „Im Moment spricht laut Studienlage nichts für Methadon als wirksames Mittel gegen Krebs.“ Stattdessen verursache es schwere Nebenwirkungen wie Verwirrung und Übelkeit. Die Verabreichung von Cannabis wiederum könne abhängig machen und zu Wahrnehmungs- und Reaktionsstörungen führen. Auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln könne man sich sparen, so Eustachi. „Sie sind nicht sinnvoll.“

Als eine zentrale Säule der Komplementärmedizin nannte Eustachi die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die bei geschwächten Krebspatienten die gesunden Anteile in den Fokus rückt und diese stabilisiert. Auch bestimmte pflanzliche Substanzen (Grüntee-Extrakt, Curcumin oder Aloe Vera) könnten Beschwerden lindern. Entspannungsübungen und ein bewusste Ernährung können ebenfalls helfen, die Lebensqualität zu verbessern. Auch Bewegung sei ein wichtiger Faktor, sie reduziere das Krebsrückfallrisiko um 30 Prozent. „Die Patienten fragen jedoch nie danach“, weiß Eustachi aus seinem Praxis-Alltag. „Könnte man Bewegung einpacken und versenden, wäre sie ein Hochpreismedikament.“ Eustachis gesamter Vortrag ist in Kürze unter www.krebs-passau.de zu lesen.

Um Diagnostik und Therapie der häufigsten Krebserkrankungen ging es in den parallel stattfindenden Themensitzungen. Dipl.- Med. Agnieska Nolte referierte über das Thema Brustkrebs, Chefarzt Prof. Helmut Grimm über Darmkrebs, Dr. Martin Dengler über Gebärmutterhalskrebs, Ludwig Prügl und Dr. Johannes Gebauer über Lungenkrebs. Die Rolle der Ernährung war Thema von Dr. Julia Lanznaster. Alle Experten standen den Besuchern auch für persönliche Fragen zur Verfügung.

„Ich bin froh, dass es diesen Aktionstag gibt“, sagte der Ärztliche Direktor des Klinikums, Prof. Jürgen Koehler bei seiner Begrüßung. Der Krebstag könne ein Anlass dazu sein, das Leben bewusster zu genießen und sich im Alltag nicht über jede Kleinigkeit aufzuregen. Zugleich soll er ein Impuls sein, auf einen gesünderen Lebensstil zu achten.

Mit Infoständen waren auch Selbsthilfegruppen und Reha-Einrichtungen präsent, die neben der medizinischen Versorgung ein wichtiges Netz für Krebspatienten bilden. Auch über Hospiz- und Palliativangebote konnten sich die Besucher informieren. Mit rund 300 Zuhörern stieß der Infotag auf eine große Resonanz.(ez)