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Ganzheitliche Hilfe für Menschen am Lebensende
Symposium zum fünfjährigen Bestehen der Palliativstation
Von Theresia Wildfeuer
Patientenautonomie und Therapieverzicht am Lebensende sowie der Aufbau einer ambulanten palliativen Versorgung - diese Themen prägten das 7. Palliativsymposium, das unter der Leitung von Professor Dr. Thomas Südhoff anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Palliativstation im Klinikum Passau stattfand.
„Das Palliativzentrum ist ein großer Fortschritt“, betonte Chefarzt Dr. Thomas Südhoff. Es versorge Patienten, die an einer weit fortgeschrittenen, unheilbaren Krankheit mit begrenzter Lebenserwartung leiden, vor allem Krebspatienten. Er betonte das ganzheitliche Konzept der Versorgung der Schwerstkranken im Onkologischen Zentrum. „Wenn man Tumorpatienten nicht das ganze Spektrum anbieten könnte, müsste man es erfinden“, sagte Südhoff. Onkologie und Tumorzentrum würden noch ausgebaut. Der Chefarzt würdigte das Engagement des Teams der Palliativstation. Es habe sich durch die fürsorgliche Betreuung der Menschen große Wertschätzung erarbeitet.
In den vergangenen fünf Jahren sei Bemerkenswertes auf der Palliativstation geschehen, sagte Pflegeleiter Florian Wirthensohn. Ziel sei vielmehr die Verbesserung der Lebensqualität für Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen und ihre Familien. Palliativmedizin ermögliche eine ganzheitliche Betreuung körperlicher, sozialer und spiritueller Art, die ein Team aus Ärzten, Pflegekräften, Seelsorgern, Psychologen, Physio- und Kunsttherapeuten, Sozialarbeitern, Ernährungsberatern und Hospizhelfern leistet. Ein besonderes Entlassungsmanagement, das mit der Bayerischen Krebshilfe und den Hausärzten kooperiert, erleichtere den Übergang von der Klinik nach Hause.
Stationsleiterin Dr. Elke Graf schilderte Angebote der zehn Betten umfassenden Palliativstation, zum Beispiel ein romantisches Bad bei Kerzenschein und Musik. Ziel sei, die Patienten in ihre vertraute Umgebung zu entlassen. Dies gelinge bei 40 Prozent. Doch die Mehrzahl der Kranken sterbe. Dies sei auch für das Team eine große Belastung. Als wichtigsten Schutzfaktor nannte sie den Zusammenhalt der Mitarbeiter. Rituale würden helfen, Abschied zu nehmen. Die Palliativstation wird um zehn Betten erweitert. Stationäre und ambulante Vernetzung würden noch verbessert, sagte Graf.
Dr. Stefanie Huber von der Kanzlei Albrecht in Regensburg unterstrich die Bedeutung einer Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, in der die Patientenautonomie zum Ausdruck kommt. Der Arzt habe die Entscheidung von einwilligungsfähigen Patienten zu befolgen, auch wenn sie unvernünftig ist, sonst mache er sich strafbar. Bei Menschen, die ihren Willen nicht mehr bekunden können, entscheide der gesetzliche Vertreter, Betreuer oder Bevollmächtigte. Hierfür sei eine Vorsorgevollmacht notwendig. Liege diese nicht vor, bestimmt das Gericht einen Bevollmächtigten.
Huber riet den Zuhörern, eine Betreuungsverfügung auszustellen. Der Arzt brauche einen Bevollmächtigten, der die gesetzlich geregelte verbindliche Patientenverfügung umsetzt. Diese stärke das Selbstbestimmungsrecht der Patienten. Sie weise ihre Vertreter an, in bestimmter Weise behandelt oder nicht behandelt zu werden, zum Beispiel bezüglich künstlicher Ernährung, Beatmung und freiheitsentziehenden Maßnahmen. Der Vertreter müsse den Willen des Patienten ermitteln und prüfen, ob ein Behandlungsabbruch gewünscht ist. Gebe es keine ärztliche Indikation, wird die Patientenverfügung nicht angewendet. Ein Gespräch mit den Angehörigen sei vorgeschrieben. Der Vertreter könne dennoch gegen deren Willen entscheiden.
Dr. Madeleine Kuhn sprach über die Ernährung am Lebensende; Irene Fackler-Schwalbe vom Palliativ- und Hospiz-Netz Niederbayern informierte über den Aufbau einer ambulanten Palliativversorgung in Stadt und Landkreis. Das Netzwerk habe Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich aus ambulanten Diensten, Vertretern der Pflegeheime, Ärzten und sonstigen Diensten aus Hospizhelfern, Sozialarbeitern, Theologen und Psychologen zusammensetzen. Ihre Vision: ein integriertes, interprofessionelles Versorgungsnetz und eine übergreifende allgemeine ambulante Palliativversorgung. „Wir sitzen am Bett, wenn das Buch des Lebens geöffnet wird, freuen uns, weinen und trauern mit“, sagte Jutta Kaser, ehemalige Vorsitzende des Hospizvereins. Die ehrenamtlichen Hospizhelfer seien Teil des Prozesses der Palliativstation. Hospizarbeit ohne Palliativversorgung sei fast unmöglich.


